Hausbesetzercafés Friedrichshain I Beispiel Supamolly

Deutsch - Deutsche Begegnungen im alternativen Friedrichshain der Nachwendezeit I

In diesem Text soll es um die vielen kleinen Hausbesetzerkneipen gehen, die im Zuge der Besetzungen wie Pilze aus dem Boden schossen und von denen heute noch einige überlebt haben, wie zum Beispiel das Supamolly in der Jessnerstraße 41. Da Kreuzberg der Nachbarbezirk von Friedrichshain ist, was ich allerdings erst am Tage der Grenzöffnung erfuhr, kamen viele der dortigen Autonomen und Wehrdienstverweigerer über die ehemalige Sektorengrenze und besetzten hier viele leerstehende Häuser - so zum Beispiel in der Scharnweberstraße, in der Mainzer Straße, in der Liebigstraße, in der Kreuzigerstraße und in der Kinzigstr. 9.

Auf viele interessierte Kiezureinwohner übte diese Ansammlung von jungen Leuten aus Westdeutschland und Westberlin, die sich vorgenommen hatten, mit alten verkrusteten Strukturen zu brechen und neue Formen des Zusammenlebens auszuprobieren, natürlich eine enorme Anziehungskraft aus. Einige sahen darin wohl auch einen Hoffnungsschimmer und ein Versprechen, dass eine neue Zeit angebrochen ist und alles möglich ist. Die ganze Sache damals war ja für uns ja ein bisschen wie ein Wunder.

Wir als Einheimische jedenfalls verspürten große Bewunderung für die organisatorischen und logistischen Leistungen der Besetzer. Häuser wurden wieder ans Stromnetz angeschlossen und kaputte Wasserleitungen repariert, Kneipen wurden gegründet und bespielt, Konzerte organisiert. Viele der Hausbesetzer kannten sich auch gut mit der Gesetzeslage aus und erreichten eine formale juristische Anerkennung der Hausbesetzungen. Das alles kam uns Ostdeutschen wie aus einer anderen Welt vor.

Noch mit den Scherbensongs (der Mariannenplatz war blau usw.) im Ohr ging man neugierig und mit Bewunderung ins Supamolly, in die Hausbesetzerkneipen in der Mainzer- und in der Kreuziger- und Schreinerstraße, ins X Beliebig in der Liebigstraße, zu Punkkonzerten in die Köpi in der Köpenicker Straße, ins SEK in der Scharnweberstraße (wobei man gar nicht wußte was Supamolly und SEK eigentlich bedeutete) und war begierig auf neue Erfahrungen und interessante zwischenmenschliche Begegnungen mit den neuen Landsleuten aus den alten Bundesländern.

von Tanja

Wegbeschreibung
Das Supamolly befindet sich in der Jessnerstr. 41. Wenn man den Hauptausgang des S-Bahnhofs Ostkreuz verlässt, wendet man sich nach rechts, geht die Neue Bahnhofstraße geradeaus und überquert die Boxhagener Straße. Weiter geht es geradeaus, dann links abbiegen in die Weserstraße und wieder rechts abbiegen in die Jessnerstraße. Das Ziel befindet sich auf der rechten Straßenseite neben Edeka.