Freilichtkino Pompeji, Laskerstraße 5

Nächte auf der dunklen Seite vom Bahnhof Ostkreuz

Manchmal verirren sich Touristen, die zur Sonntagsstraße wollen, zu dem Ausgang Markgrafendamm. Hier stehen sie dann ratlos und verstehen die Welt nicht mehr. Dabei haben sie nur den falschen Ausgang genommen. Die beiden Seiten vom Bahnhof Ostkreuz unterscheiden sich wie Himmel und Erde.
Aber nicht mehr wenn es dunkel wird. Dann ist auch an diesem Ausgang ein reges Leben und Treiben zu beobachten. Junge Leute, meist auch Touristen aus aller Herren Länder, drängeln sich auf dem schmalen holprigen Trottoire mit erwartungsfreudigen Gesichtern. Denn nachts zieht Leben ein in die verfallenen Schuppen und Lagerhallen. Viele zieht es zum about blank, ein Technoschuppen, den man von aussen dort nicht vermuten würde.

Ich fahre aber weiter den Markgrafendamm runter und dann die Laskerstraße rechts ab. Dort befindet sich in einer Mischung aus Schuppen, Lagerhalle und Ruine das Projekt Zukunft am Ostkreuz. Auf dem kleinen Gelände wurde wirklich jeder Quadratmeter ausgenutzt, entweder als Freilichtkino, Biergarten, Openairkonzertlocation, Clubkeller, Indoorkino, Kneipe oder Theatersaal.

Meine Erfahrungen beziehen sich auf den Besuch des Freiluftkinos und des Konzertkellers Tiefgrund. Das Freiluftkino Pompeji ist eigentlich nur eine Ruine ohne Dach. Die Filme werden oft mit einem Vorführgerät abgespielt, welches sehr laut knattert. Das bringt das richtige Dorfkinofeeling auf. Einige Male in der Saison werden auch Stummfilme mit Bandbegleitung gezeigt.

Alle Mitarbeiter sind jung und locker. Die Betreiber des Tilsiter Kinos in der Richard Sorge Straße haben am Ostkreuz erfolgreich expandiert. Man ist nicht sehr profitinteressiert. Das ist ganz selten in Berlin. Das ist im Tiefgrund, der Konzertkeller wo der Hardcore gepflegt wird, genauso wie im Freilichtkino oder bei Konzerten auf dem Open Air Gelände, welches sich hinter dem Hauptgebäude befindet. Es gibt viel Kultur für wenig Geld. Man hat es wohl mit Musik-und Filmenthusiasten zu tun, die nicht in erster Linie am Verdienst interessiert sind.

von Tanja
Ich wurde 1962 in einem kleinen Dorf in Mecklenburg Vorpommern geboren und kam mit 19 nach Berlin. Ich übte viele verschiedene Tätigkeiten aus. Zuletzt war ich als Sekretärin tätig.

Wegbeschreibung
Zur Laskerstraße kommt man indem man den Bahnhof Ostkreuz in Richtung Markgrafendamm verlässt und sich rechts hält. Dann biegt man rechts in die Laskerstraße ein und sieht schon das Projekt Zukunft am Ostkreuz.