Spätsommernächtliches Spreeufer, das dem Treptower Park gegeüberliegt, in der Nacht vom Lollapalooza

Überall Musik aber leider nichts geworden mit Gratishören beim Lollapalooza (Spätsommernachtsspecial)

Eigentlich müsste ich jetzt (heiße Sommernacht am Sonnabend den 2. Juni 018) am Wendenturm an den Ufern des Müggelsees auf einem kleinen Bluesfestival sein (Schleichwerbung), doch es wurde kurzfristig über die Facebookseite der Location abgesagt. So habe ich Zeit und Muße und Cola Wodka, um mich hier zu literarischen Höchstleistungen aufzuschwingen.

Im September 2016 fand das Lollapalooza Festival im Treptower Park statt, also quasi vor meiner Haustür. Ich hatte deswegen schon überlegt, mir ein Ticket zu kaufen und hinzugehen. Meistens sind große Musikfestivals ja immer in der Pampa und schwer zu erreichen. Die Bands, die beim Lola auftraten, waren aber absolut nicht mein Ding. Zu vielen von denen wäre ich ja nicht mal hingegangen, wenn ich ein Ticket geschenkt bekommen hätte. Eine Ausnahme wäre vielleicht Roisin Murphy (ehemalige Sängerin von Moloko, die jetzt solo elektronische Mucke macht). Nach meinen heutigen Recherchen ist sie auch mit dabeigewesen.
So wollte ich mir wenigstens am Sonntag den 11. September den Headliner Radiohead als Zaungast auf den billigen Plätzen anhören. Diese Band kannte ich eigentlich auch nicht weiter, hatte aber mal einen Konzertmitschnitt auf Radio Bayern II (über DAB plus zu empfangen) gehört. Ihre Musik höre ich jetzt übrigens gerade während des Schreibens über den Streaminganbieter meiner Wahl. Da ich Bauhausfan bin, lief das in etwa so in meine Richtung. Man könnte ihre Musik als interessantes Elektronicgeschrammel mit melancholischen Untertönen bezeichnen. Sie sollten als Headliner kurz vor 20 Uhr auftreten.

So fuhr ich den Markgrafendamm runter über die Elsenbrücke, bis zum S – Bahnhof Treptower Park. Hier gleich hinter dem Eingang zur Location war die Bühne von Radiohead. Leider ging nichts mehr. Man konnte zwar gut hören, aber kein Plätzchen wo man sich niederlassen konnte, war in dem Gewühle zu finden (75000 Besucher an einem Tag).
Also kehrte ich unverrichteter Dinge zurück zum Spreeufer auf der Stralauer Halbinsel. Hier saßen die Leute entspannt und glücklich wegen der herrlichen Spätsommernacht und man konnte trotz der Entfernung fast genausogut hören wie am S – Bahnhof. Das Gratiskonzert konnte beginnen und Radiohead hatte die Möglichkeit, sich einen neuen Fan zu erobern. Das Leben kann schön sein. Alles hätte noch gut werden können, und der Abend hätte noch gerettet werden können. Man soll sich aber nicht zu früh freuen. Denn dann passierte es. Man muss wissen, auf dem Lolapalozza spielen die Bands auf mehreren Bühnen parallel. Eine schreckliche Technoschrammelband begann zu spielen und übertönte alles. Warum hat man keinen Flammenwerfer zur Hand, wenn man ihn braucht (Scherz), um dem bösen Treiben da Einhalt zu gebieten und die Quelle des unerträglichen Lärms trockenzulegen. Ich will jetzt nicht den Namen der Band nennen, aber scheinbar, dem Beifall nach zu urteilen, kamen sie nicht bei allen so schlecht an wie bei mir.
Trotz dieser Verdrieslichkeit war diese heiße Spätsommernacht Mitte September 2016 von der Art der Nächte, die The Moddy Blues als „nights in white satin“ besingen. Wenn soviel Leute an einem Ort so gut gelaunt sind, sowohl auf dem Stralauer Spreeufer wie auch auf dem gegenüberliegenden Ufer im Treptower Park beim Lolla, überträgt sich das automatisch auch auf einen selber. Die Natur hatte sich Mitte September noch einmal zu Höchstleistungen aufgeschwungen, um uns für den kommenden Winter zu wappnen. Ich weiß gar nicht, war der Winter 2016/17 eigentlich ein harter Winter?

PS Soeben habe ich mir den Titel „Karma Police“ von Radiohead runtergeladen. Jetzt höre ich diesen schrecklichen Schmusesong hoch und runter in Endlosschleife. Gewarnt wird vor Nachahmung!

von Tanja

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