Feinkostladen Landkost in der Yorkstraße

Hungrige Leute in Berlin VII, Feinschmeckervergnügen im Schmalen Handtuch in der Yorkstraße

Ich bitte darum, das hier alles nicht so bierernst zu nehmen. Im nachfolgenden Text geht es nicht nur um solche kulinarische Highlights wie Pizza Funghi, sondern unter anderm auch um Bauarbeiter ohne Angst vor cholesterinreicher Ernährung, um kleine, dicke, braungebrutzelte Wendeverlierer, nicht sehr vertrauenserweckende Gestalten im Park, Linsensuppenjunkies, Bockwurst für nur 1€, schlechtgelaunte Verkäufer, die Latte Macciatomisere in Berlin, um Kartoffelpuffer, die entgegen aller Vermutungen doch Kartoffeln enthielten und darum, wie die Protagonistin hofft, mit guten Taten ihre Schutzengel günstig zu stimmen.

Die kulinarische Reise beginnt bei der alten Freibank an der Landsberger und endet an der Wahrschauer Straße. Es geht nur um das Thema Nummer 1, nämlich ums Essen in Berlin.


Nun geht es die ganze Hasenheide und danach die Gneisenaustraße runter bis zum Mehringdamm und auf der anderen Seite des Mehringdamms fahren wir geradeaus in die Yorkstraße Hier gibt es links in Nr. 76 einen kleinen aber feinen Lebensmittelladen so schmal wie ein Handtuch aber mit den besten Brötchen Berlins. Es handelt sich um Biobrötchen und der ganze Laden ist nicht ganz billig. Über die Brötchen könnte man aber wirklich Gedichte schreiben. Wenn ich dort irgendwo in der Nähe bin, statte ich immer diesem Laden einen Besuch ab. Schnell noch eine Süßrahmbutter aus dem Kühlregal genommen und noch drei Paare von den harten kleinen Knackern, die ganz phantastisch schmecken dazu dazugelegt. Das Angebot ist sehr puristisch gehalten, d.h. es gibt nicht viel. Aber was es gibt, hat es in sich. Wundert euch später nicht, die Sachen dort sind wie schon gesagt wirklich nicht so billig, aber manchmal darf man einfach nicht so aufs Geld kucken.
Am Halleschen Ufer gegenüber der Amerika-Gedenkbibliothek suchte ich erstmal eine Bank und schmierte mir ein paar Butterbrötchen und trank dazu einen Bio Mango Lassi, bevor ich wieder in die Pedale trat.


Fazit:
Beim Durchlesen der „Hungrige Leute in Berlin“ Serie fällt auf, dass die Berichterstatterin im Laufe der Zeit einen kulinarischen sowie sozialen Aufstieg (schmunzel) vollzogen zu haben scheint. Erst reiht man sich zu DDR Zeiten in die Schlange vor der Freibank in der Leninallee ein und ist froh wenn man ab und zu noch 85 Pfennnige hat für eine heiße Wurst vom Imbiß am S-Bahnhof Warschauer Straße, die übrigens die Grundlage ihrer Ernährung bildete. Dann steht man im Kiezcafe in der Wühlischstraße am Herd und bekocht Hungrige mit abgelaufenen Lebensmitteln. Später wird eine Entwicklung zum Gourmet vollzogen,man findet Geschmack an teurem Meeresfrüchtesalat vom Herrmannplatz, mokiert sich über anbeblich fehlende Kartoffeln im Kartoffelpuffer aus der Pufferbude neben Karstadt und regt sich über zu dünnen Latte auf. Außerdem legt man sich am Beispiel des Fleischers aus der Modersohnstraße noch für die ganze Fleischerinnung kräftig ins Zeug. Ganz zum Schluß schätzt man Biobrötchen und Sauerrahmbutter aus dem Feinkostladen in der Yorkstraße und sieht sich sogar noch in die Lage versetzt, Leuten aus anderen Nationen, die an der Post in der Skalitzer stehen, hilfreich unter die Arme zu greifen.

von Tanja

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